Pflegegrade und Pflegebedürftigkeit

Pflegegrade und Pflegegeld

Pflegebedürftigkeit

Wer pflegebedürftig wird, braucht Hilfe

Der Begriff der „Pflegebedürftigkeit“ wurde erstmals im Jahr 1995 zur Einführung der sozialen Pflegeversicherung definiert. Laut SGB XI gelten diejenigen Menschen als pflegebedürftig, „die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen“.


Seit der Einführung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs wird kritisiert, dass die Definition zwar die körperlichen und organischen Einschränkungen erfasst, jedoch kaum die psychischen und kognitiven. Damit werden im Leistungsrecht der Pflegeversicherung wesentliche Aspekte wie die Kommunikation und die soziale Teilhabe ausgeblendet.


Partielle Verbesserungen für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (PEA), das heißt vor allem Demenzerkrankte, gab es durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz (PfWG) von 2008 sowie durch das Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG) von 2012. Durch das erste Pflegestärkungsgesetz 2015 wurden die Leistungen der Pflegeversicherung für Personen ohne Pflegestufe, die aufgrund einer Demenzerkrankung oder einer anderen Krankheit in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind, geöffnet.


Im Rahmen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes wird nun ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff zum 1.1.2017 eingeführt, der die Gleichbehandlung körperlich, kognitiv und psychisch beeinträchtigter Menschen zum Ziel hat. Im Fokus der Betrachtungen stehen zukünftig die Selbstständigkeit und die Fähigkeiten pflegebedürftiger Menschen. Kernfragen sind: “Was kann ein Mensch noch alleine? Wobei benötigt er personelle Unterstützung?“

Wer kann Pflegegeld beanspruchen?
  • Anspruch auf Pflegegeld hat jeder, der pflegebedürftig ist.
  • Eine Person ist pflegebedürftig, wenn sie aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung Hilfe im täglichen Ablauf benötigt. Hierbei handelt sich um die Bereiche wie die Körperpflege, die Ernährung, die Mobilität und die Hauswirtschaftliche Versorgung.
  • Um das Pflegegeld von der Pflegekasse beziehen zu können, müssen Pflegebedürftige einen Antrag auf Pflegegeld bei ihrer Krankenkasse stellen. Der Antrag wird anschließend an die zuständige Pflegekasse weitergeleitet.
Wie erhalten Pflegebedürftige einen Pflegegrad?

Menschen, die 2016 bereits eine anerkannte Pflegestufe haben:


Wer im Jahr 2016 bereits eine anerkannte körperliche Pflegebedürftigkeit hat (Stufe 1, 2 oder 3) und wer eine anerkannte eingeschränkte Alltagskompetenz (sog. „Pflegestufe 0“) hat, wird 2017 nicht erneut begutachtet. Entsprechend der folgenden Tabelle werden anerkannte Pflegestufen dann automatisch in die neuen Pflegegrade umgewandelt.


Für die Einstufung in eine Pflegestufe wird zuerst der Bedarf an Unterstützung ermittelt. Die Pflegebedürftigen werden in drei Pflegestufen eingestuft, die sich in Voraussetzungen sowie in der Höhe der Leistungen unterscheiden. Zu den drei Pflegestufen gehört seit dem 1. Januar 2013 die Pflegestufe 0 als Unterstützung für Personen, die nur sehr geringen Pflegebedarf haben und die an geistigen Erkrankungen wie Demenz, Alzheimer oder geistige Behinderung leiden.

Menschen, die 2017 erstmals den Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse stellen:


Wer ab 2017 erstmals einen Antrag auf Pflegegrad bei seiner Pflegekasse stellt, wird anschließend nach dem neuen Prüfverfahren NBA („Neues Begutachtungsassessment“) persönlich begutachtet. Dabei ermitteln Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) und anderer Dienste bei gesetzlich Versicherten oder die Medicproof GmbH bei privat Versicherten den Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit und empfehlen ggf. einen Pflegegrad, in den der Versicherte eingestuft werden sollte. Letztlich entscheidet die Pflegekasse des Antragstellers über die Genehmigung eines Pflegegrades und der damit verbundenen Pflegeleistungen.

Voraussetzungen für ein Pflegegrad


Wie selbstständig ein Antragsteller noch ist, ermitteln die Prüfer mit dem neuen Begutachtungsinstrument NBA nach einem Punktesystem. Dabei gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete erhält, einen umso höheren Pflegegrad und umso mehr Pflege- und Betreuungsleistungen genehmigt seine Pflegekasse.


Die beauftragten Gutachter des MDK bzw. der MEDICPROOF testen all diejenigen, die 2017 erstmals Pflegeleistungen bzw. einen


Pflegegrad beantragen in folgenden sechs Bereichen:

  • Mobilität: Wie selbstständig kann der Begutachtete z. B. noch Treppen steigen oder sich selbstständig umsetzen?

    (Umsetzen, Fortbewegen, Positionswechsel)

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Wie findet sich der Betroffene z. B. in seinem Alltag örtlich und zeitlich zurecht? Kann er noch selbst Entscheidungen treffen?

    (örtliche und zeitliche Orientierung, Beteiligung an Gesprächen und Verständnis von Aufforderungen)

  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Ist der Antragsteller z. B. nachts unruhig? Zeigen sich bei ihm motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten?

    (nächtliche Unruhe, verbale und körperlich Aggression, Sinnestäuschungen)

  • Selbstversorgung: Wie selbstständig ist der Antragsteller noch in Bezug auf Körperpflege, dem An- und Auskleiden und der Zubereitung von Essen und Trinken?

    (Körperpflege, Kleiden, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme)

  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Welche Unterstützung braucht der Antragsteller z. B. bei der Medikamenten- oder Sauerstoffgabe?

    (Injektionen, Stoma- und Wundversorgung, Arztbesuche)

  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Kann sich der Betroffene z. B. noch gut selbst beschäftigen? Pflegt er noch selbst seine sozialen Kontakte?

    (Kontakte pflegen, Beschäftigung, Gestaltung des Tagesablaufs)

Pflegegrad 1

Mit dem neuen Pflegegrad 1 genehmigen Pflegekassen ab 2017 körperlich und geistig noch recht beweglichen, geringfügig hilfsbedürftigen Versicherten Pflege- und Betreuungsleistungen, wenn Gutachter eine

Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (12,5 bis unter 27 Punkte)

Pflegegrad 2

Versicherte erhalten den neuen Pflegegrad 2 und die entsprechenden Pflegeleistungen, wenn sie durch die Pflegekasse eine:

Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte)

Pflegegrad 3

Ermittelt der Gutachter zwischen 47,5 und unter 70 Punkte, so erhält der Antragsteller Pflegegrad 3 und den Anspruch auf entsprechende Pflegeleistungen. Der Pflegegrad 3 attestiert eine:

Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte)

Pflegegrad 4

Pflegegrad 4 beschreibt die:

Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (70 bis unter 90 Punkte)

Pflegegrad 5

Mit dem neuen Pflegegrad 5 bescheinigen Pflegekassen ihren Versicherten eine:

Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (90 bis 100 Punkte)

Einzige Ausnahme: Pflegebedürftige mit besonderen Bedarfskonstellationen, die bisherigen Härtefälle mit Pflegestufe 3, die einen „spezifischen, außergewöhnlich hohen Hilfebedarf mit besonderen Anforderungen an die Pflegeversorgung“ haben, können Pflegegrad 5 erhalten, auch wenn sie die dafür notwendige Mindestzahl von 90 Punkten bei der Begutachtung nicht erreicht haben.


Die Betreuungskräfte dürfen keine Behandlungspflege und keine medizinische Versorgung übernehmen.

Hierfür muss ein Pflegedienst beauftragt werden:

  • Medikamente stellen und verabreichen
  • Verband anlegen, entfernen / Wundversorgung
  • Sortierung der Medikation
  • Injektionen
  • Dekubitus Versorgung
  • Künstliche Ernährung
  • Flüssigkeitsbilanzierung
  • Infusionen
  • Einreibungen
  • Tropfen und Salben für Augen und Ohren verabreichen
  • Behandlung offenen Beine und Füssen (Ulcus cruris)
  • Krankenhausnachsorge
  • Blutdruck- / Blutzuckermessung
  • PEG- Versorgung
  • Tracheotomie Versorgung
  • Katheterisierung / Spülung
  • Stoma Versorgung
  • Port- Versorgung, Portnadelwechsel